Programm - Filmforum Höchst

Emmerich-Josef-Straße 46a
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Programm

100 Jahre Federico Fellini
Am 20. Januar 1920 wurde Federico Fellini in Rimini geboren und sollte im Laufe seines Lebens einer der erstaunlichsten Filmregisseure nicht nur Italiens werden.
Spätestens Mitte der 1970 war Fellini einer der ganz Großen des europäischen Autorenkinos. Ich erinnere mich an eine Aufführung seines Films SATYRICON in einem mehr als vollbesetzen Kommunalen Kinos in Frankfurt, damals noch im Historischen Museum beheimatet.
Teile des Publikums harrten auf dem Boden aus, weil alles Plätze besetzt waren und verfolgten diesen faszinierenden, sehr langen Film.
Das heute so häufig und sinn- und nutzlos gebrauchte Wort „Kultfilm“ traf tatsächlich auf Fellinis Filme zu, die, sowie ein neues Werk in die Kinos kam, die ganze cineastische Gemeinde beschäftigten. Leider hat sich das Interesse in den letzten Jahrzehnten ein bisschen verloren. Seine Filme waren zudem nicht mehr auf den Leinwänden zu sehen, die Lizenzen waren abgelaufen und nicht erneuert worden.
Aus diesem Grund freuen wir uns, dass der Filmverleih „Missing Films“ jetzt vier restaurierte und digitalisierte Filme Fellinis aus den 1950er und 1960er in der italienischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln (wie auch anders?) in seinen Jubiläumsjahr wieder zugänglich gemacht hat.
Fellini, in der „Provinz“ in Rimini geboren, zwischen Katholizismus und Faschismus zur Schule gegangen und aufgewachsen, ging bald nach Rom und begann dort in den der 1950er Jahren seine Karriere, zunächst als Drehbuchautor und Assistent von Roberto Rossellini und bei dessen berühmtem Film ROMA CITTÁ APERTA – ROM OFFENE STADT. Er war Teil des italienischen Neorealismus, was seinem 3. Film I VITELLONI – DIE MÜSSIGGÄNGER deutlich anzumerken ist. Der Film erzählt von einer Gruppe junger Männer, die mehr oder weniger ziellos in den Tag hineinleben.  I VITELLONI – DIE MÜSSIGGÄNGER wurde zu seinem Durchbruch: 1953 wurde der Film mit dem Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet. Durch LA STRADA (1953 – 1954) mit seiner Ehefrau Giulietta Masina und Anthony Quinns sollte er schließlich weltberühmt werden.
Nach weiteren Filmen drehte er Ender der 1950er Jahre mit LA DOLCE VITA einen Film, der sich dem römischen Nachtleben der „Happy Few“ in sarkastisch – kritischer, aber auch melancholischer Weise zuwandte und schuf durch einen der Protagonisten Paparazzi den prägenden Begriff für die Skandalreporter.
Die männliche Hauptrolle spielte der grandiose Marcello Mastroianni, der in 8 1/2 endgültig zum Alter Ego Fellinis werden sollte. Dieser Film über die Schaffenskrise eines  Regisseurs war stark von Fellinis Beschäftigung mit der Psychologie, mit C. G. Jung und der Traumdeutung beeinflusst. Zu ersten Mal sind Träume konstituierende Teile der Handlung, was für Fellini in seinem weiteren Werk neben der Tendenz zum Surrealen und Grotesken typisch sein sollte.
Mit dem weniger bekannten Film JULIA DEGLI SPIRITI – JULIA UND DIE GEISTER hatte Fellini einen Film aus der Sicht der weiblichen Protagonistin (Giulietta Masina) gedreht. Die Geschichte handelt von einer Frau, die von ihrem Mann betrogen wird. Auch hier spielt das Nicht- Reale eine wichtige Rolle, die Handlung wird bestimmt von den Geistern, den Visionen der Protagonistin.
Bis zu seinem Tod am 31. Oktober, drehte Fellini weitere erstaunliche Filme, wie AMACORD, SATYRICON, ROMA, LA CITTÀ DELLE DONNE - STADT DER FRAUEN, E LA NAVE VA – SCHIFF DER TRÄIME und LA VOCE DELLA LUNA – DIE STIMME DES MONDES, um nur einige zu nennen.
I Vitelloni - Die Müßiggänger
„Vitelloni“ sind junge, unreife Kälber, die ihren Weg noch nicht gefunden haben. Episodenhaft erzählt der Film die Geschichten fünf junger Männer, die sich in einer kleinen Provinzstadt – wahrscheinlich zur Nachkriegszeit – um sich selbst drehen. Man lebt noch bei den Eltern und zelebriert das verantwortungslose Nichtstun. Da ist der „Anführer“ Fausto (Franco Fabrizi), der typische Casanova. Allerdings erwartet Sandra (Leonora Ruffo) von ihm ein Kind und er wird gezwungen sein, den Lebensunterhalt für die neue Familie zu verdienen. Der jungen Alberto (Alberto Sordi) wiederrum erleidet ein ähnliches Schicksal als seine Schwester der Familie den Rücken kehrt. Leopoldo (Leopoldo Trieste) will Schriftsteller werden, was sich als äußerst problematisch erweist als er merkt, dass er nur ein Objekt der Begierde ist. Letztendlich schafft es nur Moraldo (Franco Interlenghi) sich allmählich von der Gruppe und dem starren Kleinstadtgefüge zu lösen. I VITELLONI ist Fellinis erster großer Erfolg, für den er mit dem Silbernen Löwen in Venedig geehrt wurde und spiegelt die Starre Erstarrung der italienischen Nachkriegsgesellschaft und der damit einhergehenden Trägheit der Heranwachsenden wider. Gleichzeitig ist der Film aber auch ein Abschiedsgruß an sein Heranwachsen in Rimini.
La Dolce Vita
Fellinis Meisterwerk zeigt einen Ausschnitt aus dem Leben des Boulevard-Journalisten Marcello, der sich der Prominenz anschließt, um deren „exklusives“ - dekadentes- Leben zu skizzieren. Dabei hat Marcello (Marcello Mastroianni) durchaus Ernstes im Sinn und möchte schriftstellerisch etwas leisten, wird aber immer mehr zu einem Teil dieser sinnentleerten Gesellschaft, indem er sich assimilieren lässt (Alkohol, Affären). Selbst wirklich wichtige Ereignisse in seinem Leben werden mit „Feiern“ kompensiert. Es scheint keinen Ausweg aus der Konsumsucht zu geben.
Das sich die ganze Konsumgeilheit und die Belanglosigkeiten aus der Upper Class mittlerweile in der gesamten Gesellschaftsstruktur unserer Leistungsgesellschaft wiederfindet ist selbstverständlich und Fellini hat das schon 1960 beobachtet. Denn was macht ein Papparazzi - diesen Begriff gab es übrigens vor dem Film nicht -, er transportiert medial das „Ach so schöne Leben“ der Reichen und Schönen in die übrige Gesellschaft und weckt damit Begehrlichkeiten.
Der Film sorgte seinerzeit für Skandale, weil er u.a. auch die damalige Moraletikette durchbrach (Stripteaseszene, One-Night Stand in der Wohnung einer Prostituierten etc.) und sollte verboten werden (in Spanien wurde er auch zensiert und erst in den 80er Jahren aufgeführt). Bei den Filmfestspielen in Cannes bekam der Film die goldene Palme
Giulietta degli spiriti - Julia und die Geister
Mit GIULIETTA DEGLI SPIRITI setzt Fellini seine filmische Studie in die Welt der Psychoanalyse in schillernder Farbgebung fort. Giulietta (Giulietta Masina) ist eine frustrierte, einsame Ehefrau inmitten einer seelischen Krise. Zum fünfzehnten Hochzeitstag hat sie ein großes Fest mit Freunden geplant, bei dem eine spiritistische Séance stattfindet. Giuliettas Geister sind geweckt: Im Dialog mit imaginierten Figuren aus der Kindheit, der Jetztzeit und der Fantasie arbeitet sie ihre verborgenen Ängste auf und führt sich selbst hinaus aus der Krise zu einem neu entdeckten Selbstbewusstsein. Ein wahrhafter filmischer Rausch tut sich vor den Augen der Zuschauer*innen auf, der vor knallenden Farben und mannigfaltiger Symbolik nur so strotzt. Nicht leicht zu entschlüsseln, aber ein Fest für die heilende Wirkung der Fantasie gewann der Film 1966 den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film.
8 1/2 - Achteinhalb
Achteinhalb Filme will Fellini bis zu diesem Film abgedreht haben. Ein Alptraum führt in die Welt der Schaffenskrise des Regisseurs Guido Anselmi (Marcello Mastroianni): Aus dem qualmenden Auto kann der Mann mit schwarzem Hut gerade noch in die Wolken entschweben, doch wird er über dem Meer zum Stürzen gebracht und erwacht. Im Schwebezustand zwischen Realität und Traum, Wirklichkeit und Fantasie – und damit einhergehend die Tiefen der menschlichen Psyche erkundend –, bewegt sich der Film fortan weiter. Die nötige Inspiration missend, schiebt Anselmi den Drehbeginn immer weiter hinaus und triftet in seine Innenwelt ab, wo er die eigene Kindheit, seine Beziehungen zu Frauen oder auch den Kunstgriff und die Lage der Filmbranche reflektiert. Auf Grundlage der Beschäftigung mit den Schriften CG Jungs entdeckte Fellini die Kraft der Symbolik der Träume in 8 ½ und verabschiedete sich von der vormals stärker neorealistischen Filmsprache. Kaum mehr lässt sich Erinnerung oder Traum von realen Eindrücken trennen, die Bildästhetik des neuen Kameramanns Gianni Di Venanzo setzt auf bewusste Lichtführung in gebauter Szenerie. Vormals in Außenaufnahmen des Kameramanns Otello Martelli die Härte der Gesellschaft ausdrückend, entspricht die neue Bildsprache den menschlichen Innenwelten. Das Meisterwerk wurde dann auch mit zwei Oscars für den besten ausländischen Film ausgezeichnet.
100 Jahre Federico Fellini

Do. 2.7.
19.30 I Vitelloni -
Die Müßiggänger (OmU)
Federico Fellini,IT/ FR 1953, 102 min.

Fr. 3.7.
19.30 Giulietta degli spiriti -
Julia und die Geister (OmU)
Federico Fellini, IT/ FR 1965, 137 min.

Sa. 4.7.
19.00 La dolce vita -
Das süße Leben (OmU)
Federico Fellini, IT/ FR 1960, 174 min

So. 5.7.
19.00 8 1/2 – Achteinhalb (OmU)
Federico Fellini., IT/ FR 1963, 140 min.

Mo. 6.7.
19.30 I Vitelloni -
Die Müßiggänger (OmU)

Di. 7.7.
19.30 Giulietta degli spiriti -
Julia und die Geister (OmU)

Mi. 8.7.
19.00 La dolce vita -
Das süße Leben (OmU)

Do. 9.7.
19.30 Giulietta degli spiriti -
Julia und die Geister (OmU)

Fr 10.7.
19.00 La dolce vita -
Das süße Leben (OmU)

Sa 11.7.
19.00 8 1/2 – Achteinhalb (OmU)

So 12.7.
19.30 I Vitelloni -
Die Müßiggänger (OmU)

Mo 13.7.
19.30 Giulietta degli spiriti -
Julia und die Geister (OmU)

Di 14.7.
19.00 8 1/2 – Achteinhalb (OmU)

Mi 15.7.
19.00 La dolce vita -
Das süße Leben (OmU)

Anschl. Sommerpause bis
2. September

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü