Filmforum Höchst

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AUFBLENDE

Das Jahr 2019 hat uns im Oktober und im November zwei Kinopreise beschert: zum einen den Hessischen Kinokulturpreis und zum anderen den 2. Kinopreis des Kinematheksverbundes in der Kategorie „Kino, das wagt“. Wir begreifen das natürlich als Ansporn, auch im Jahr 2020 unser Programm in gewohnter Weise fortzuführen und bedanken uns in diesem Zusammenhang bei unserem Publikum für den Besuch unseres Kinos, durch das die Filme erst wirklich zur Geltung kommen.

Jazz, Gospel und Soul, drei Musikgenres, die ihre Wurzeln in Afrika haben und bestimmend sind für die afroamerikanische Kultur stehen im Mittelpunkt unseres Programms vom 16. – 22. Januar. Mit ARETHA FRANKLIN – AMAZING GRACE von Alan Elliott und Sydney Pollock präsentieren wir einen mitreißenden Film über die „Queen of Soul“ und mit MILES DAVIS – BIRTH OF COOL von Stanley Nelson ein faszinierendes Porträt des grandiosen “King of Cool Jazz”, Miles Davis.

Im Januar beginnt die neue Filmreihe des Vereins Aufblende mit einigen Filmen der Weimarer Republik. Im Zentrum der ausgewählten Filme steht die Soziale Frage. Wir beginnen die Reihe mit F. W. Murnaus 1924 entstandenem Stummfilm DER LETZTE MANN mit Emil Jannings in der Hauptrolle über den sozialen Abstieg eines Chefportiers…

Am Ende des Monats richten wir unseren Blick nach Palästina und zeigen Elia Suleimans ironische, witzige Reflexion über die Situation der Palästinenser*innen. Er verlässt in seinem neuen Film IT MUST BE HEAVEN – VOM GIESSEN DES ZITRONENBAUMS seine Heimat Palästina und möchte ein neues Zuhause finden. Doch egal, wohin er auf der Welt kommt, irgendetwas erinnert in immer an Palästina - sei es die Polizei, die Grenzkontrollen oder grassierender Rassismus.
Den umgekehrten Weg geht der Protagonist in Annemarie Jacirs Film WAJIB: Hier kommt der in Rom lebende Protagonist in seine Heimatstadt Nazareth zurück und wird mit ihm inzwischen fremd gewordenen Lebensweisen konfrontiert.
Im Zentrum des Dokumentarfilms BROKEN – A PALESTINIAN JOURNEY THROUGH INTERNATIONAL LAW AND JUSTICE von Mohammed Alatar steht schließlich die völkerrechtliche Bewertung des Verlaufs der von Israel errichteten Sperrmauer zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten im Mittelpunkt. Dem palästinensischen Regisseur geht es hier vor allem um einen für beide Konfliktparteien gangbaren Interessensausgleich.

Februar

        
Der Monat beginnt mit dem Festival Africa Alive, das in diesem Jahr bereits zum 26. Mal in Frankfurt stattfinden wird. Neben den neuen Produktionen aus Afrika steht aus aktuellem Anlass der Sudan im Mittelpunkt des Festivals.
Am 11. April 2019 wurde die regierende Junta unter dem Diktator Umar al-Baschir, der 1989 durch einen Militärputsch an die Macht gekommen war, nach wochenlangen Demonstrationen der Zivilgesellschaft und der Opposition gestürzt. Seitdem ringt das Land um die Demokratie. Nach Rückschlägen für die Demokratiebewegung im  Frühsommer 2019, hat es im Juni/ Juli 2019 eine Einigung zwischen der Protestbe­wegung und dem regierenden Militärrat auf eine Übergangsregierung gegeben. Es bleibt die Frage, ob das Militär in naher Zukunft wirklich die Macht abgeben wird…

Mit einem ausgewählten Filmprogramm wird Africa Alive nun seinen Blick auf dieses große ostafrikanische Land richten und dabei auch auf die Filmkultur, die ja in diesem islamischen Staat de facto in den letzten 30 Jahren kaum existierte.
Bereits 2013 hatte AA die „Sudan Film Factory“ in Frankfurt vorgestellt, eine Initiative des Goethe Instituts, die jungen sudanesischen Filmemacher*innen, die Möglichkeit gegeben hatte, Filme (meist allerdings in klandestinem Rahmen) zu drehen. In der kurzen Zeit nach dem Sturz der Militärjunta hat sich wieder eine Filmkultur im Sudan entwickelt, die an die große Zeit des sudanesischen Films in den 1970er und 80er Jahren anschließt. Vor allem der wunderbare Dokumentarfilm TALKING ABOUT TREES des jungen sudanesischen Regisseurs Suhaib Gasmelbari, in dessen Mittelpunkt mit Ibrahim Shaddad, Eltayeb Mahdi und Suleiman Mohamed Ibrahim drei Regisseure der großen Zeit des sudanesischen Kinos stehen, verbindet die cineastische Vergangenheit mit der Gegenwart.

Wir zeigen mit den Filmen TAJOUJE und LES MISERABLES von Gadalla Gubara sowie den Kurzfilmen AL HABIL (ROPE), HUNTINGPATRY (JAGDPARTIE) von Ibrahim Shaddad und KHARTOUM von Gadalla Gubara Klassiker des sudanesischen Kinos, neben den ganz aktuellen Werken der jungen Generation YOU WILL DIE AT TWENTY von Amjad Abu Ala und OUFSAIYED ELKHORTOUM - KHARTOUM OFFSIDE von Marwa Zein. In der Diskussionsveranstaltung „Wohin geht der Sudan?“ wird am Sonntag, den 2.2.2020 im Haus am Dom ab 13.00 Uhr die aktuelle Entwicklung im Sudan behandelt werden.

Auch in Algerien führten monatelange Proteste zu dem Rücktritt des langjährigen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika. Mit den Filmen ABOU LEILA von Amin Sidi-Boumédiènne und PAPICHA von Mounia Meddour wenden wir uns diesem Land zu. In Tunis spielt die Komödie UN DIVAN À TUNIS – AUF DER COUCH IN TUNIS von Manele Labidi mit Golshifteh Farahani in der Hauptrolle. Außerdem zeigen wir den Gewinner des letzten FESPACO Festivals in Ougadougou THE MERCY OF THE JUNGLE – LA MISÉRICORDE DE LA JUNGLE von Joel Karekezi, den senegale­sischen Film BAAMUM NAFI von Mammadou Dia, der bei uns zu Gast sein wird,
den ghanaischen Film KETEKE von Peter Kofi Sedufia und in Erinnerung an den im April 2019 verstorbenen Regisseur Pierre S. Yameogo (Burkina Faso) seine Filme DELWENDE und MOI ET MON BLANC. Der deutsche Film CONGO CALLING problematisiert die Arbeit der „Entwicklungshelfer“ am Beispiel der DR Kongo.
Africa Alive ist eine Kooperation verschiedener Frankfurter Kultureinrichtungen mit afrikanischen Vereinen aus Frankfurt. Veranstalter sind Africa Alive Team, Filmforum Höchst der VHS Frankfurt, Deutsches Filminstitut Filmmuseum – DFF, Afrika Foun­dation e.V., Afroton Kulturprojekte, Dialog International e.V. Gefördert wird Africa Alive u.a. von der HessenFilm und Medien GmbH. Africa Alive ist Mitglied des Hessischen Filmfestivalverbundes. Das Gesamtprogramm des Festivals findet sich unter www.africa-alive-festival.de.
Africa Alive erhielt im vergangenen Dezember den Integrationspreis 2019 der Stadt Frankfurt am Main, den es sich mit zwei weiteren Projekten teilt. Mit der Auszeichnung werden innovative Projekte und Personen gewürdigt, die sich für ein besseres Zu­sammenleben in der Stadt einsetzen.

„Mein Film ist ein Warnruf an die Politiker, weil sie die Hauptverantwortlichen sind.“ sagt Ladj Ly über seinen Film LES MISERABLES – DIE WÜTENDEN, der ein Schock für das französische Publikum war, zeigt er doch die verfahrende Situation der Pariser Vororte unverblümt aus der Sicht eines Regisseurs, der dort aufgewachsen ist und im Grunde nur das erzählt, was er selbst erlebt hat: die Organisation des Vorortes, die Machtverhältnisse zwischen den verschiedenen Akteuren, die Übergriffe der Polizei und die Aktionen und Reaktionen der Jugendlichen.
Der Film spielt an einem einzigen Tag im Pariser Vorort Montfermeil. Aus einem zunächst eher banalen Konflikt treibt das Geschehen auf einen Aufstand zu. Am Schluss friert der Film ein, in einer Situation, von deren Ausgang Leben und Tod abhängt, ähnlich wie in dem 1995 entstandenen Film LA HAINE von Matthieu Kassovitz. Und man fragt sich, was hat sich verändert und wenn ja, hat es sich zum Schlechteren verändert? Ein Warnruf an die Politiker. Der französische Schriftsteller Eric Vuillard schrieb über LES MISERABLES: “Durch Montfermeil sind nicht die Viertel nördlich von Paris beschrieben, sondern die französische Gesellschaft. Mit LES MISERABLES wird Montfermeil zur gesamten französischen Gesellschaft“. Nebenbei ist der Film nicht gekennzeichnet von den üblichen Klischees der Vorort– Filme. Es gibt keine Drogen, keine Schusswaffen und keinen alles übertönenden Rap als atmosphä­rischen Background. Es gibt einfach eine Situation, die dringend einer Lösung im sozialen Bereich bedarf.

Am 29. März, fünf Wochen nach ihrem letzten Auftritt auf der Berlinale anlässlich der Präsentation ihres neuesten Films AGNÉS PAR VARDA ist die französische Regisseurin Agnés Varda, Mitbegründerin der Nouvelle Vague, in Paris gestorben. In ihrem letzten Film lässt sie noch einmal ihr (cineastisches) Leben Revue passieren. Filme wie CLEO DE 5 A 7, NI TOIT NI LOI mit der jungen Sandrine Bonnaire, LES GLANEURS ET LA GLANEUSE, ihr Leben mit Jacques Demy, ihre Reisen in die USA nach Kalifornien und die Teilhabe an den avantgardistischen und politischen Bewegungen der späten 1960er und frühen 1970 Jahre prägten ihr Leben. So führt der Film nicht nur ihr Leben und ihr erstaunliches Werk, sondern auch eine ganze Epoche vor Augen.
„Mein Wunsch war, die vielen unsichtbaren Leben so vieler Frauen in dieser Zeit sichtbar zu machen – sie zum Leuchten zu bringen“ sagt der brasilianische Regisseur Karim Ainouz über seinen neuen Film A VIDA INVISÍVEL DE EURÍDICE GUSMÃO – DIE SEHNSUCHT DER SCHWESTERN GUSMÃO. Entstanden ist ein tropisches Melodram im besten Sinne, mit leuchtenden Bildern, einem großen epischen Bogen und zwei beeindruckenden Hauptdarstellerinnen (Carol Duarte und Julia Stockler) die den Film zu einem Kinoerlebnis machen.

Was passiert, wenn alle zu Scheinselbständigen werden, wie jetzt schon Kurierfahrer, Fahrradkuriere und Uber-Fahrer, wenn Unternehmen keine Sozialversicherungsabgaben mehr zahlen, wenn der bezahlte Urlaub und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Errungenschaften der Arbeiterbewegung verschwinden und die Menschen ihre Ar­beitsgeräte selbst stellen müssen, kurz wenn die sozialen Sicherungssysteme mehr und mehr zerstört werden? Ken Loach zeigt in seinem neusten Film SORRY WE MISSED YOU eine dunkle Realität, in der sein Protagonist als selbstständiger Kurierfahrer einem immer größer werdenden Zeitdruck (und Schuldendruck) unterliegt und schließlich in eine fast ausweglose Situation gerät.

Der französische Film LES INVISIBLES – DER GLANZ DER UNSICHTBAREN on Louis Julien Petit erzählt von Frauen, die sich nicht den prekären Verhältnissen in denen sie leben und dem daraus entstehenden gesellschaftlichen Druck beugen wollen. Sie wehren sich dagegen, von der Gesellschaft ausgeblendet, „unsichtbar“ zu werden. Zusammen mit Sozialarbeiterinnen gehen sie ganz eigene Wege und betreiben mit allen Mitteln ihre Reintegration.

Über 6 Monate verübten die rechten Terroristen des NSU ihre rassistischen Morde, unbehelligt von Verfassungsschutz und Polizei, die sich weigerte den rechtsra­dikalen Spuren zu folgen. In ihrem Dokumentarfilm begibt sich die türkischstämmige Re­gisseurin Aysun Bademsoy auf die Suche nach den Spuren der Verbrechen und stellt sich dabei die Frage, welcher Prozess diese Verletzungen überhaupt heilen könnte. SPUREN – DIE OPFER DES NSU beleuchtet das Scheitern von Ermittlern und Justiz – und gibt den Angehörigen der Opfer endlich eine Stimme.


Eintritt 7€ (Frankfurt-Pass 3,50€)
Emmerich-Josef-Str. 46a // Ansage/Reservierung 069 212 45 714
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